Das Kaninchen vor der Schlange

Als das Kaninchen vor der Schlange hockte, verfluchte es die Welt. Es verfluchte die Wahl, die es hatte: Den Giftbiss ergeben abzuwarten, oder ihn zu provozieren, indem es zu fliehen versuchte. Es verfluchte den laubigen Boden, auf dem es keine Deckung hatte. Es verfluchte den nächsten Baum, das nächste Loch, die zu weit entfernt waren. Es verfluchte den Zufall, der es gerade jetzt aus dem Bau geführt hatte. Es verfluchte das Leben, das ihm nie eine andere Wahl gelassen hatte als rennen oder gefressen werden.
Das Kaninchen starrte die Schlange an, die es anstarrte, und was es fühlte, war nicht Angst, sondern Wut.
Als das Kaninchen die Schlange ansprang, und seine Zähne sich in den schuppigen Leib schlugen, überkam es ein wilder Rausch der Befreiung. So spürte es die Giftzähne nicht, die ihm in die Flanke fuhren.

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